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Themenschwerpunkt Kassenvertrag

By 19. Mai 2021No Comments

Wieviel Erfahrung, Taktik und politischer Weitblick für Kassenvertragsverhandlungen notwendig sind, weiß niemand besser als MR Dr. Thomas Horejs:

Themenschwerpunkt Kassenvertrag

Der zahnärztliche Kassenvertrag stammt zwar aus dem Jahr 1957, wurde aber mehrmals aktualisiert. Totalprothetik, Panoramaröntgen und Eck wurden beispielsweise als Kassenleistung aufgenommen. Manche dieser Erweiterungen gingen aus Verhandlungen der Kasse mit der Kammer hervor. Andere wurden politisch erzwungen – wie z.B. die Gratiszahnspange. Hier gab es einen Gesetzesauftrag festsitzende KFO in den Kassenvertrag hineinzunehmen. Hätten wir dies abgelehnt, dann wären die jährlich dafür vorgesehenen 80 Millionen Euro nicht unseren KieferorthopädInnen, sondern den Kassenambulatorien zugeflossen, was damals das deklarierte Ziel der WGKK-Obfrau Reischl als Vorsitzende der Trägerkonferenz im Hauptverband gewesen wäre.

Eines muss uns klar sein: Die Kasse möchte für möglichst viel Leistung möglichst wenig bezahlen. Wenn sie das am Vertragsweg nicht erreicht, versucht sie es auf bürokratischem Weg. Beispielsweise mit den unsäglichen Berichtigungslisten.

Kassenvertragsverhandlungen führt man, wenn die Kasse Geld hat. Nicht jetzt, wo sie durch eine – Pandemie bedingt – schwierige wirtschaftliche Situation mehrere Jahre Defizite haben wird. Wer also jetzt Vertragsverhandlungen anstrebt, besorgt das Geschäft der Kasse! Zusätzlich bewahren wir durch den aktuellen Kassenvertrag einen großen kassenfreien Raum.

Vor geraumer Zeit hat die Kasse an die ÖZÄK ein Angebot gemacht. Sie bot eine Erhöhung der gesamten Honorarsumme um 20 Prozent an. Damit sollten alle zahnmedizinischen Leistungen abgedeckt und bezahlt sein. Somit wären alle Leistungen Kassenleistungen. Es gäbe keine Privatleistung mehr. Das würde natürlich auch die Wahlzahnärzte betreffen und treffen. Naturgemäß hat die ÖZÄK dieses Angebot nicht angenommen.

Die Kasse arbeitet in Verhandlungen mit Tricks. Beispielsweise forderte die ÖZÄK eine bessere Honorierung der Kinderzahnheilkunde. Die Kasse wollte zustimmen, falls dafür die Leistungen STO, ES und ZH wegfallen würden. Eine Berechnung der nicht nur als Serviceeinrichtung für unsere Kammermitglieder, sondern, wie figura zeigt, auch standespolitisch überaus wichtigen Abrechnungsstelle ergab bei einer solchen Vereinbarung für die Zahnärzte ein Minus von einigen Millionen Euro. Wir hätten uns diese Verbesserung also selber gezahlt. Klarerweise hat die ÖZÄK da nicht zugestimmt. Aus all diesen Gründen wird es die nächsten Jahre entscheidend sein, dass erfahrene Mandatare die Geschicke der österreichischen Zahnärzteschaft leiten und nicht Personen, die nicht eine Minute in der Standespolitik gearbeitet haben.

Wir haben eine Vision für den Kassenvertrag 2030. Es soll eine gute Basisversorgung der österreichischen Bevölkerung geben. Dazu soll der bestehende Kassenvertrag behutsam weiterentwickelt werden. Wie wir das schon mit den neuen Leistungen – Amalgamersatz-Füllung und Mundhygiene für Kinder und Jugendliche – vollzogen haben. Darüberhinausgehende Leistungen sollen Privatleistungen bleiben, auch im Interesse der PatientInnen, damit sie immer am aktuellen Stand der Wissenschaft teilhaben können.

Wir kennen das Ziel und haben eine Strategie dieses zu erreichen. Wählen Sie die Standesliste der Wiener Zahnärzteschaft – Liste 1.